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Ausbildung
Testlauf für den Erdbebenfall

Die diesjährige Großübung des Ortsverbandes Tempelhof-Schöneberg führte Technischen Zug, Jugend und Stab am vergangenen Wochenende nach Cottbus. Im Rahmen einer simulierten Einsatzsituation mussten die beteiligten Kräfte vom Einsatzbefehl bis zur geordneten Rückkehr wesentliche technische, logistische, physische, kommunikative und gruppendynamische Herausforderungen eines Auslandseinsatzes bewältigen.


Nach der fiktiven Anforderung der Kräfte des Ortsverbandes durch die Geschäftsstelle wurde in der Unterkunft zunächst ein Leitungs- und Koordinierungsstab gebildet. Zugtrupp, Jugendgruppe und die Fachgruppe Infrastruktur leiteten anschließend als Vorauskommando die Erkundung und den Aufbau eines Bereitstellungsraumes im Zielgebiet ein. Die beiden Bergungsgruppen sowie die Fachgruppe Räumen folgten. Bereits auf der Anfahrt lauerten spezifische Hindernisse eines Auslandseinsatzes: unzureichende Wegbeschreibungen bei lückenhafter Ausschilderung, misstrauische Grenzposten (hollywoodreif dargestellt von der Jugendgruppe), die es sich nicht nehmen ließen, die 2. Bergungsgruppe zum Abladen ihres schweren Geräts zu nötigen. Der Aufbau von Zelten, Feldbetten, Duschzelt, Tischen und Bänken erforderte bis zum Einbruch der Dämmerung den vollen Einsatz und die effektive Arbeitsteilung eines eingespielten Teams.


Nach einem kräftigenden Frühstück, kredenzt von den Verpflegungsprofis des Stabes, verlegte der Technische Zug in drei verschiedene Einsatzabschnitte. Die 2. Bergungsgruppe und Teile der Fachgruppe Infrastruktur mussten auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Cottbus-Groß-Schacksdorf mittels schwerer Bergungstechnik mehrere unter Trümmern begrabene Personen retten. Die Fachgruppe Räumen meisterte souverän das nach einem Erdbeben typischerweise notwendige Beräumen von vertrümmerten Rettungswegen sowie das Neuanlegen einer provisorischen Straße. Der 1. Bergungsgruppe und die übrigen Kräfte der Fachgruppe Infrastruktur wurden während ihrer Erkundung eines ausgedehnten Fabrikgeländes von Entstehungsbränden und einer Gasexplosion überrascht. Anschließend galt es hier, klassische Aufgaben der Personenrettung über Leitern und mit der Dreibock-Rollgliss-Kombination zu meistern. Eine echte Herausforderung, befanden sich doch verletzte Personen in schwer zugänglichen Trümmerschächten, in einem Kohletrichter und in luftiger Höhe eines Industriekrans. Rettungskräfte der Johanniter-Unfallhilfe Brandenburg stellten sich hierbei dankbarerweise als geduldige Verletztendarsteller zur Verfügung.


Bei Übungsende gegen 17:00 Uhr konnte man den Helfern die Anstrengungen etlicher Stunden körperlich und psychisch harter Arbeit bei sommerlichen Temperaturen anmerken. Nach Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft war dann endlich die Gelegenheit für eine kühle Dusche und die wohlverdiente Erholung gekommen. Bei Gegrilltem und Bier wurden in ungezwungener, kameradschaftlicher Atmosphäre erste Eindrücke und Erlebnisse der gemeinsamen Mission ausgetauscht. Dass diese hinsichtlich der auch unter Stress hochfunktionalen Teamarbeit einer bemannten Raumfahrt-Mission gar nicht so unähnlich ist, zeigte die Freilichtkinovorführung von Ron Howards „Apollo 13“. Nicht „Go flight“, sondern „Wir marschbereit“ hieß es dann am frühen Sonntagnachmittag, als nach dem reibungslosen Rückbau des Bereitstellungsraumes der Ortsverband – zu Übungszwecken im geschlossenen Verband – zurück nach Berlin verlegte.


Die einhellige Meinung aller Beteiligten: Auch die diesjährige standortverlagerte Ausbildung war ein voller Erfolg. Allein schon deshalb, weil das offene Zutagetreten von Defiziten in den Bereichen Führung, Kommunikation im Einsatz, Ausstattungsvorbereitung und Ausbildungsstand die Chance bietet, gezielte Verbesserungen vornehmen zu können. Die Übung bestätigte aber auch die Gewissheit, dass unser Ortsverband als geschlossenes Team funktioniert, dass Stab, Jugend und die Einheiten des Technischen Zuges sich auch in kritischen Situationen unbedingt aufeinander verlassen können. Und nicht zuletzt haben die beteiligten Helfer durch die gemeinsame Bewältigung von Herausforderungen wieder eine Menge Wesentliches über sich und über einander gelernt und sind auf diese Weise noch stärker als eingeschworenes Team zusammengewachsen.


14.06.2010

Christoph Max, He 1. BGr. 1. TZ

Fotos

© Bundesanstalt THW Ortsverband Tempelhof-Schöneberg